2005/02/25

Geschichtsträchtigkeit - Mengele am OSI

Welcher Ersti kennt es nicht, das komische Gefühl in den Kellerräumen des OSI-Altbaus zu sitzen und von den alten Studi-Hasen gar düstere Geschichten über Leichen und Experimente in eben jenen Räumen zu hören? Nur Schauergeschichten oder Wahrheit?

Ich kann euch leider nicht beruhigen, denn mit dem Gebäude in der Ihnestraße 22 verknüpft sich tatsächlich ein dunkles Kapitel deutscher Wissenschaftsgeschichte, eine Gedenktafel rechts neben dem Haupteingang erinnert daran.

Das Kaiser-Wilhelm-Institut für Anthropologie, menschliche Erblehre und Eugenik wurde 1926 als Einrichtung der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft gegründet und 1927 in der Ihnestraße 22 eröffnet.
In der Zeit des Nationalsozialismus spielte das Institut eine besondere Rolle bei den Forschungen zur menschenverachtenden Rassentheorie. Während sich der erste Direktor Eugen Fischer bei der Vorbereitung gesetzlicher Grundlagen der nationalsozialistischen Rassenpolitik engagierte und "wissenschaftlich begründete", förderte sein Nachfolger Otmar von Verschuer aktiv die Menschenversuche seines wissenschaftlichen Zöglings Josef Mengele im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau.
Mengeles "Forschungsschwerpunkt" bestand unter anderem in einer fanatisch geführten Zwillingsforschung, durch die er eine vollständige und verlässliche Bestimmung der Vererbung beim Menschen durch die Bestimmung der Eiweiße im Blut und das Ausmaß des Schadens durch ungünstige Erbeinflüsse nachweisen wollte.

Nach ARD-Recherchen wurden in Berlin-Dahlem nachweislich mindestens 200 Blutproben und Organe aus Auschwitz untersucht und ausgewertet.

"Kein wissenschaftliches Ziel darf höher sein, als das Gut der unantastbaren Menschenwürde", sagt Prof. Dr. Peter Gruss, Präsident der Max-Planck-Gesellschaft. "Die Geschichte lehrt uns, dass wir ethische Regeln und Grenzen brauchen."
Die Max-Planck-Gesellschaft trat nach dem Zweiten Weltkrieg die Nachfolge der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft an und bemüht sich seit 1997 zwar est spät doch dafür sehr intensiv um eine historische Aufarbeitung der eigenen Geschichte.

(öö)

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