2005/06/27

Alles verbindlich? Die Einführung der Campus-Management-Software

Termingerecht ist eigentlich noch keine Software für den Einsatz an der FU fertig geworden. Das gilt auch für die Campus-Management-Software.
Bereits zum Wintersemester 2005/06 werden sich die Studierenden der Bachelor- und Master-Studiengänge zu Modulen und Lehrveranstaltungen per Internet anmelden müssen, voraussichtlich in der Woche vor Vorlesungsbeginn.
schreibt der Studiendekan Wolfgang Clemens dem Fachbereich PolSoz.
Ha, das wollen wir doch mal sehen! Erstmal müssen die Lehrenden sich brav um ihren Krempel kümmern, dann müssen tausende Studierende das System halbwegs kapieren und dann muss es auch noch krepieren funktionieren. Selten so gelacht...

Technokratenkritisch betrachtet der AStA das Projekt:
Insbesondere die im Rahmen des Projekts geplanten universitätsweit einheitlichen Fristen für die Abgabe von Hausarbeiten und die Anmeldung zu Lehrveranstaltungen und Prüfungen werden den unterschiedlichen Rahmenbedingungen und Anforderungen der verschiedenen Studiengänge in keinster Weise gerecht
Damit liegen sie (ausnahmsweise?) zwar nicht nah an der Realität, denn die wird das Ganze grandios scheitern lassen, aber immerhin nah am Problem: Software am Bedarf vorbei zentral entwickeln zu lassen und danach das System auf ein bestehendes Objekt aufzustülpen kann, soll und wird (vermutlich) nicht funktionieren. (ää)

2005/06/23

Dieter kommt - Dieter geht!

Am 7. Juli 2005 wird Dieter Löcherbach, seit diesem Semester Emeritus, seine Abschiedsvorlesung im Rahmen der Vorlesung zur politischen Ideengeschichte bei Prof. Göhler halten. Die Veranstaltung findet im Hörsaal A/ Henry-Ford-Bau um 10 Uhr c.t. statt.

2005/06/16

Alles vergeht

Ende Mai ist Daniel Gospodarek kurz vor Beendigung seines Grundstudiums verstorben. Wir werden ihn als Kommilitonen in Erinnerung behalten, der nicht nur bei seiner Arbeit als studentischer Mitarbeiter am Bolle-Lehrstuhl stets hilfsbereit und freundlich war. Daniel war nach kleineren Umwegen zur Politikwissenschaft gekommen. Leider blieb ihm nicht viel Zeit, bis er in Folge einer Krankheit starb.
Doch wenn man Augen hat,
hat man vielleicht das Glauben satt
und erkennt bescheiden:
das alles wird nicht bleiben.
Irgendwann kommt die Dämmerung
erst als schwacher Schimmer.
Alles geht vorbei

2005/06/14

Blogs sind langweilig.

Sag ich jetzt mal. Weil gerade jeder eines macht.

Zum Beispiel:
Silvana Koch-Mehrin, Ursula von der Leyern, Oswald Metzger und Andrea Nahles.

Etwa das gleiche Niveau (kein Wunder, gleicher Verlag): 3 Bunte-Blogs.

2005/06/09

Kein Lehrauftrag für Rabehl

Auf der gestrigen Institutsratssitzung wurde von den Anwesenden der Beschluss gefasst, Bernd Rabehl keinen Lehrauftrag mehr zu erteilen. Wie der Tagesspiegel heute berichtet, freut sich Rabehl über die (selbst verursachte) Publicity.

Allerdings steht zu befürchten, dass die OSI-Beschlüsse nur Symbolwert haben: Rabehls Lehranträge zurückzuweisen bzw. Lehraufträge nicht zu erteilen gilt bei den rechtswissenschaftlich Kundigen als nahezu unmöglich - die Freiheit von Lehre und Forschung umfasst auch extremst unerwünschte Positionen. Was uns an und für sich ja recht sein müsste, nur in diesem Fall... (ää)

2005/06/08

Weiter Stress um Rabehl

Bodo Zeuner würde ihn gerne feuern, kann das aber nicht. Rabehl will gerne provozieren, kann und macht das auch. Die Justiziare brüten über den Problemen - aber können augenscheinlich nichts tun.

Aktuelle Entwicklung: Rabehl hält heute einen Vortrag (mit einschlägigem und provokantem Titel) vor der NPD-Fraktion in Sachsen, so die Berliner Zeitung. Kein zufälliger Zeitpunkt: Heute beschließt der Institutsrat die Lehrplanung. Ob mit oder ohne Lehrauftrag für Rabehl? Wir werden drüber berichten.

Ob ein alter Alt-68er mit deutlichem Hang nach rechts allerdings so viel Publicity wert ist?

Zum Thema Rabehl siehe auch:
- Neues von Rabehl
- Daueraltlast Rabehl: Entzug der Lehrbefugnis?

2005/06/06

Interview mit Prof. Bernd Ladwig

Bernd Ladwig ist seit Beginn des Sommersemesters auf der Juniorprofessur für Moderne Politische Theorie. Wir haben uns mit ihm über sein Themenfeld, Radfahren und das neue OSI unterhalten.


Sie haben selbst am OSI studiert, sind in Oberbayern zur Schule gegangen und gebürtig sind Sie ein waschechter "Kölscher Jung". Nach Promotion in Berlin und Arbeit in Magdeburg sind Sie seit dem Winter am OSI als Juniorprofessor für Moderne Politische Theorie zuständig. Was hat Sie zu diesem Bereich der Politikwissenschaft gebracht?

Meine Interessen an Philosophie und Gesellschaftstheorien reichen recht weit zurück. Mich hat das Philosophieren fasziniert, seitdem ich zum ersten Mal damit in Berührung gekommen bin: mit etwa 17 Jahren. Ich habe dann mit ganz unzulänglichen Mitteln, ohne Kenntnis der relevanten Literatur, etwa über Freiheit und Determinismus nachgedacht. Das war gewiss diletettantisch, aber: Entscheidend war im Rückblick betrachtet allein, dass ich mir eigene Gedanken gemacht und intellektuelles Selbstvertrauen gewonnen habe.
Das philosophische Interesse ist dann seit 1984 durch mein Engagement in der lokalen Friedensbewegung überlagert worden. Für die Politikwissenschaft habe ich mich entschieden, weil ich meine politischen Aktivitäten reflektiert und profesionell in der Friedensforschung fortsetzen wollte. Bereits das erste Seminar am OSI, zu Demokratietheorien - bei Klaus Roth - hat dann aber meine alte Liebe zur Philosophie neu entflammt. Hinzu kamen gesellschaftstheoretische Interessen. Ich war an der Begründung eines undogmatischen Marxismus interessiert. Philosophisch ging es mir um eine Überwindung des normativen Begründungsdefizits, das Marx hinterlassen und das der orthodoxe Marxismus, bis hin zu Althusser - ein französischer strukturalistischer Marxist - geerbt hat. Hier bin ich den Spuren des westlichen Marxismus - Lukacs, Bloch, Adorno/Horkeimer, Marcuse, Habermas... - gefolgt. In der habermasschen Theorie liefen die Stränge einer Gesellschaftstheorie und einer normativen Philosophie zusammen, und das hat mich zu einem Links-Habermasianer gemacht.
Von daher lag es dann nahe, zu Axel Honneth, einem Habermas-Schüler zu gehen, als dieser den Lehrstuhl für politische Philosophie am OSI übernahm. In seinem Colloquium habe ich erstmals mit "richtigen Philosophen" - ich war Autodidakt - zu tun bekommen. Nach anfänglichen Schwierigkeiten mit deren anderer Diskussionskultur - die verstehende Arbeit am Text spielte eine deutlich größere Rolle als in den üblichen Theorie-Seminaren am Osi, und die Referenzautoren waren andere, außerdem war ein bildungsbürgerlicher Habitus bemerkbar - habe ich dann eine sehr philosophische Diplomarbeit über Identitätstheorien und eine ebenso philosophische Dissertation über Gerechtigkeitstheorien geschrieben.
Meine Interessen waren immer eher systematischer als ideengeschichtlicher Art. Und die für mich wichtigsten Autoren - außer den schon Genannten etwa die amerikanischen Gerechtigkeits- und Rechtsphilosophen John Rawls und Ronald Dworkin, die Neo-Pragmatisten Hilary Putnam und Richard Rorty, die deutschen Philosophen Ernst Tugendhat und Martin Seel sowie Sozialtheretiker wie Bourdieu, Luhmann und Claus Offe - fallen alle in den Bereich moderner, zeitgenössischer Theorien. Und hier bin ich also.

Gibt es politische Theoretiker oder Strömungen, zu denen Sie selbst bislang überhaupt keinen Zugang finden konnten?

Ich gestehe, dass ich bis jetzt zu einigen postmodernistischen Theorien keinen Zugang gefunden habe. Das gilt für Baudrillard, aber auch für Derrida. Bei ersterem beschleicht mich der Eindruck des Unseriösen, des Übertreibens um der Übertreibung - bzw. um des medialen Effekts - willen. In die gleiche Kategorie fällt für mich das hochgelobte Buch "Homo Sacer" von Giorgio Agamben. Bei Derrida habe ich den Eindruck, dass der Aufwand, den es erforderte, seine Texte zu verstehen, in keinem vernünftigen Verhältnis steht zu den Einsichten, die sie vermitteln mögen. Ich bin kein Freund der bewussten Verrätselung und des absichtsvoll unargumentativen Darstellens von Theorien. Schließlich hat sich mir auch der theoretische Mehrwert der normativ-ontologischen Theorien von Leo Strauss und Eric Voegelin noch nicht erschlossen.

"Denken ohne Leitplanken"

Politische Theorie ist für viele Studierende ein eher ungeliebter Bereich, welche Möglichkeiten sehen Sie, der Theorie das Stigma der Langweiligkeit zu nehmen?

Ist Theorie wirklich so unbeliebt? Ich habe eigentlich gar nicht den Eindruck. Jedoch leuchtet mir ein, dass eine ansprechende und nachvollziehbare Präsentation in der eher schwer zugänglichen Theorie besonders wichtig ist. Die Politikwissenschaft ist schließlich heute in erster Linie eine empirische Sozialwissenschaft, und sie zieht viele Studierende an, die wohl eher praktische als theoretische Ambitionen haben. Aber ich glaube, dass auch und gerade in der empirischen Forschung so viele Grundlagenfragen neu beantwortet werden müssen, dass, wer sich ernsthaft auf sie einlässt, fast von allein zur Theorie gelangt. Nur als Stichworte: Welche Rolle spielt heute noch der Nationalstaat? Ist Souveränität noch sein kennzeichnendes Merkmal? Leben wir bereits in einem nach-demokratischen Zeitalter? Was vermögen politische Akteure noch gegen die entfesselten Gewalten der Wirtschaftswelt? Was sind Menschenrechte, und was könnte es heute heißen, Gerechtigkeit zu verwirklichen? Bedrohen die neueren Entwicklungen in den "Lebenswissenschaften" unser Menschenbild, auf das wir uns auch politisch bislang verlassen zu können glaubten? Was heißt es überhaupt, etwas als politisches Problem wahrzunehmen? Wer befindet darüber nach welchen Kriterien?
Das Schöne an Theorie ist, dass sie Raum gibt für Phantasie, für gedankliche Kreativität und für ein Denken "ohne Leitplanken". Anders als in der empirischen Forschung muss man als "reiner Theoretiker" weder "ins Feld" gehen noch Daten erheben und Interviews auswerten. Was man allerdings tun muss, steht bei Lenin: "lesen, lesen, lesen".
Ich kann mir vorstellen, dass manche von der Theorie durch den gestelzten Jargon einiger ihrer VertreterInnen abgeschreckt werden. Hier will ich durch begriffliche und argumentative Klarheit dem Verständnis nachhelfen, wo immer es meines Erachtens etwas zu entdecken gibt - nicht jeder Autor, der schlecht schreibt, hat darum nichts zu sagen. Mir kommt es auf gute Gründe an, nicht auf Bekenntnisse und große Namen. Insofern fühle ich mich der analytischen Philosohpie verbunden, die auf diskursive Tugenden immer großen Wert gelegt hat. Einem "Uni-Bluff" (Wolf Wagner) will ich keinen Raum lassen. Im Idealfall hält keiner eine Frage zurück aus Angst, sich zu blamieren, oder ein Argument aus Angst, etwas Unkorrektes oder Unfertiges zu sagen.


Sie haben, wie eingangs erwähnt, selbst am OSI studiert. Wie fühlt es sich an, jetzt auf der anderen Seite zu stehen? Haben sich die Studierenden gegenüber Ihrer eigenen Zeit verändert?

Ich stehe nicht erst jetzt auf der anderen Seite. Schon in den letzten drei Studienjahren habe ich als Tutor zur Vorlesung "Einführung in die Politikwissenschaft" Lehrerfahrungen gesammelt, später auch zwei Lehraufträge am OSI wahrgenommen. Das hat mir immer großen Spaß gemacht, da ich intelligente und motivierte Studentinnen und Studenten antraf und das Gefühl hatte, mit meinen Themen und meiner Art "anzukommen". So geht es mir jetzt wieder, was mich freut. Eine Veränderung sehe ich darin, dass eine größere Pragmatik eingekehrt ist. Alles in allem scheinen mir die Studis weniger anstrengend zu sein, als wir es teilweise waren. Die mir noch vertrauten Psychokriege und Grundsatzkonflikte - über Themen- und Autorenwahl, gemischt- oder getrenntgeschlechtliche Diskussionen - habe ich am "neuen Osi" noch nicht erlebt. Die ideologische Voreingenommenheit scheint geringer zu sein, die Offenheit größer. Das Gefühl, es gehe bei jeder Kleinigkeit "eigentlich" ums Ganze, die daraus erwachsende Verkrampftheit, Humorlosigkeit und auch Intoleranz, bemerke ich nicht - und ich vermisse sie auch nicht. Andererseits: Ein wenig mehr Vorkenntnisse, ein wenig mehr Leidenschaft, mehr Fragen zu Inhalten und weniger zu den leidigen Einschreibelisten - das fände ich, glaube ich, ganz schön.

"Wahrscheinlich lässt das 'neue OSI' für 'Typen' wie Agnoli keinen Raum mehr"

Nun haben sich also die Studierenden der Pragmatik, dem berühmt-berüchtigten 'Scheinstudium' zugewandt. Lassen sich ihre heutigen Dozentenkollegen nocht mit ihren eigenen damaligen OSI-Dozenten vergleichen?

Einige Dozenten, bei denen ich noch studieren durfte, sind ja weiterhin am Institut. Auch war das OSI Ende der 80er, Anfang der 90er Jahre bereits ein recht pluralistisches Institut (mit einer gewissen sozialdemokratischen Schlagseite), so dass hier alle möglichen Dozententypen, von Johannes Agnoli über Helga Haftendorn bis Helmut Wagner, anzutreffen waren. Wahrscheinlich lässt das "neue OSI" für "Typen" wie Agnoli und auch Wolf-Dieter Narr oder Ekkehart Krippendorff keinen Raum mehr. Ein Klausurenseminar bei Agnoli - undenkbar! Sicher geht dem Osi damit etwas verloren. Für mich verkörperten diese Professoren linke Geschichte. Allerdings hatte ich immer Probleme mit ihrer Einstellung den akademischen Routinen und Pflichtaufgaben gegenüber. Eine brauchbare Betreuung und Beurteilung erfuhr man als Student/Studentin bei diesen Profs nicht. Sie vermittelten Haltungen und gaben Raum für sehr freie Diskussionen. Der Ausbildungsfunktion des OSI standen sie immer fremd gegenüber. An dieser Funktion ist aber vielen Studis, und das legitimerweise, vor allem gelegen. Also, Sie sehen, ich beurteile die neue Entwicklung auf Dozentenseite ambivalent. Unnötig zu sagen, dass ich Ihnen das Beste aus beiden Welten, der des alten und der des neuen OSI, mitgeben will...

"Machen Sie einfach, was Ihnen Spaß macht"


Sie wurden schon häufiger sportlich am OSI gesehen - ist das Fahrrad ein guter Ort, über politische Theorie nachzudenken? Sollten OSI-Studierende also mehr Radfahren?

Ich kann tatsächlch beim Radfahren gut denken, jedenfalls, solange ich nicht an meine physischen Grenzen gehe. Aber das muss jeder selbst ausprobieren. Machen Sie einfach, was Ihnen Spaß macht. Aber wenn Sie sich fürs Radfahren entscheiden, bedenken sie: man kann dabei schlecht lesen und noch schlechter schreiben.

Herzlichen Dank für das überaus interessante und aufschlussreiche Interview. Wir wünschen weiterhin viel Erfolg am OSI. (ää)

EU-Planspiel

Dr. Alexander Mühlen, deutscher Botschafter in Uganda, veranstaltet am 29. und 30. Juni ein Planspiel zur Simulation von Verhandlungsprozessen in der EU. Anmeldung ist unter muehlen@jmc-berlin.org möglich. Weitere Informationen gibt's hier.

2005/06/03

Die Frage nach dem "danach"

Ende Juni steht eine neue Prüfungswoche an, und ein weiterer Schwung von OSIanern strömt auf den Arbeitsmarkt. Aber was tun nach dem Studium? Noch keine Stelle in Sicht? Dabei ist es gar nicht so schwer: Interessante Angebote gibt es u.a. hier.

2005/06/01

Was tun gegen Rechtsextremismus?

Unter diesem Titel findet heute Abend, 18 Uhr, eine Veranstaltung von Hajo Funke und Richard Stöss mit Gästen statt - bitte Aushänge für Details beachten. (ää)