2006/01/22

Altvaters Abschiedsvorlesung zum Nachlesen

Wie neulich schon angekündigt: Im 'Freitag' ist die Rede in gekürzter Fassung erschienen. Immer noch besser als Lindenstraße gucken...

Drittmittel-Weltklasse?

"Die Absolventen des John-F.-Kennedy-Instituts können sich ohne weiteres mit Forschern aus Oxford, Paris und Harvard messen. Das Otto-Suhr-Institut zählt zum Weltmeister im Anwerben von Drittmittel. Dass sie diese Fördergelder bekommen, hängt ganz sicher nicht nur mit der Antragswut zusammen, sondern hat auch was mit der wissenschaftlichen Qualität zu tun. Genau diese Fachbereiche haben nun zur Nominierung beigetragen."
schreibt Felix Lee heute in der taz.

Eigentlich würde ich mich über solche Aussagen freuen. Aber: das sind alles Forschungsfördergelder - die kommen nur indirekt der Lehre zugute. Natürlich ist es schön, wenn wir viele tolle Doktorandenstellen etc. haben - aber das hilft nichts, wenn wir nur noch Governanceexperten haben, aber keinen anständigen Innenpolitikprof.!

2006/01/21

Exzellenzförderung: FU bleibt im Boot, HU raus

Das Lachen über das Ausscheiden der HU bleibt beim näheren Nachdenken im Halse stecken: mit ihrer Bewerbung um die Graduiertenexzellenzförderung hat die FU zwar die nächste Runde bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft DFG erreicht. Sollte sie Erfolg haben, wird sie zwar wieder etwas mehr Geld aus DFG-Töpfen bekommen, die vom Senat dann aber a) garantiert wieder gestrichen werden und b) vor alllem der Forschung, nicht aber der Lehre zugute kommen sollen. Oder ist alles für die Lehre gut, was der Forschung Geld bringt?

"Brain Up - Deutschland sucht die Superuni" war Frau Buhmanns hässliche Idee. Aber sind wir ehrlich: es gibt noch viel zu wenige ThinkTanks etc. in Deutschland - in die man lehrunfähige und vermutlich auch -unwillige Professoren, Mittelbauer und Konsorten wegloben kann. Davon brauchts dringend mehr - ist auch gut für die Lehre. Und für die Exzellenzförderung. Bitte umwidmen - ab mit den Brains!

2006/01/19

Altvater bleibt!!

Oder auch nicht. Elmar Altvater hielt heute Abend seine Abschiedsvorlesung vor einem massiven Andrang von Studierenden, Externen, Lehrenden und weiteren menschlichen Wesen. Allerdings fehlte, nach meiner Beobachtung, das berühmteste OSI Pärchen, das sich sonst so gerne bei OSI Veranstaltungen erblicken lässt. Schade, einige Bemerkungen hätten sie durchaus genießen können.
Über Eindrücke, Tränen, Emotionen, Applaus, noch mehr Applaus und die unausreichende Bretzelanzahl werde ich vermutlich nicht mehr zu berichten kommen. Allerdings: Wer eine verkürzte Version der Vorlesung lesen möchte, sollte sie in der Zeitung Freitag am kommenden Freitag finden. Ach, und völlig gelogen habe ich mit meinem Titel doch nicht... Altvater bleibt noch ein bisschen. Colloquium und Diplomantenbetreuung wird er anscheinend noch anbieten.

2006/01/17

Pudding und Kritik, together at last

Alle wissen das schon, und die, die es nicht wissen sollten dankbar sein, rechtzeitig noch informiert zu werden.
Am Mittwoch, 18. Januar um 18 Uhr, Ihnestr. 21 A+B, findet Elmar Altvater's Abschiedsvorlesung statt. (Gab es nicht schon eine? Ich kann kaum Hinweise darauf finden. Mehr wird es jedenfalls jetzt nicht geben. Sein Nachfolger wird ernsthaft gesucht. Und wer ihn gesehen hat, sollte sich melden. Oder wenigstens über die Anhörung berichten.) "The proof of the pudding ... oder: Was heißt und zu welchem Ende betreiben wir Kapitalismuskritik?" (Ach, wir betreiben also doch Kapitalismuskritik?)

2006/01/15

Unterwerfungslust

Die schöne neue corporate identity OSI Webseite und andere Quellen weisen darauf hin, dass wir (Studierende der neuen DPO) unsere Scheine bis Ende der Vorlesungszeit dem Prüfungsbüro einreichen müssen. Müssen? Eigentlich nicht. Auf dem Institutstag wurde geklärt, dass es sich quasi um ein Service handelt, damit Studierende den Überblick über ihre Leistungen behalten. Wer dem Campus Management System es erleichtern möchte, Malus Punkte zu vergeben, sei herzlich eingeladen, diese Dienstleistung in Anspruch zu nehmen. A bon entendeur, salut...

Neue Profs? Na und?

Am Montag, 09.01.06 fand die Anhörung für die Nachvolge von Prof Jänicke und Riedmüller (und einem dritten Prof?) statt. DieseR neueR Prof wird einerseits die Leitung der Forschungsstelle für Umweltpolitik (FFU) übernehmen, andererseits aber auch für die vergleichende Politiklehre verantwortlich sein. Fünf BewerberINNen hielten einen Vortrag vor einem kleinen Publikum bestehend aus der Berufungskommission, einiger FFU-Mitarbeitern, einer handvoll Studierenden und einer gleichen Anzahl von Mitarbeiterinnen von Prof. Tanja Börzel, die sich als besonders Theorie versierte Studentinnen tarnten.

Die Berufungskommissionsvorsitzende, Tanja Börzel stellte erstmal ihre Berufungskommission vor, die außer ihr noch enthielt:
  1. Fr. Vlasta Wallat , Vertreterin für die nicht-wissenschaftliche Mitarbeiter
  2. PD Helmut Weidner
  3. PD Lutz Metz , Geschäftsführender Direktor der FFU
  4. Dr. Sabine von Oppeln, Wissenschaftliche Mitarbeiterin, Mittelbau
  5. Prof. Dr. Sonja Wälti , Hertie School of Governance
  6. Univ.-Prof. Dr. Philip Kunig, FB Rechtswissenschaft
  7. Daniel Penzlin, Studentischer Vertreter
  8. Prof. Dr. Barbara Riedmüller
  9. Prof. Dr. Wolfgang Clemens, Studiendekan
  10. Fr. Barbara Strobel, Frauenbeauftragte
  11. Prof. Knill (Prof. von außerhalb Berlin, allerdings nicht anwesend)
Es fing mit einem Vortrag von Klaus Jakob an, der es mutig wagte, um 9 Uhr Vormittags ein akteurszentriertes und statistisch gestütztes Modell zur Analyse der Vorreiterrolle von Nationalstaaten im Umweltbereich zu präsentieren. Klaus Jakob wird von vielen FFU Mitarbeitern bevorzugt, da er sich wirklich bemüht, Gelder einzuholen und die Plätze der Mitarbeiter weiterzusichern. Für die FFU mag er gut sein, ich glaube aber nicht, dass er für die Studierende das nötige Interesse an OSI-Politik vorweist. Obwohl er schon lange am OSI arbeitet, antwortete er zu der Frage, was er denn zur Erhaltung des Diploms meine, dass es sich mit Hochschulpolitik bis jetzt nicht beschäftigt habe, dass die Gewährleistung der Mobilität der Studenten ihm aber wichtig sei. Hm. Obwohl BA und Mobilität nun wirklich nicht gleichgesetzt werden können, wird das Wort Mobilität stark vom Diskurs zur Durchsetzung des BA geprägt. Soll heißen "Diplom ist mir ziemlich egal"? Ouch.

Als nächste stellte Andrea Lenschow u.a. einen klaren Überblick der theoretischen Ansätzen vor, die bei der Analyse der Performanz der EU Umweltpolitik angewendet werden. "Unter anderem", weil der Vortrag sich nicht an der 30 Minuten Grenze hielt, was einige im Publikum deutlich nervte. Ich behalte ein neutral bis positives Bild von ihr, könnte aber nichts weiteres zu ihr sagen.

Sebastian Oberthür lockte als Mitautor des famosen Kyoto Protokolls viele neugierige Studierende, welche die Anzahl unserer Masse verdoppelte. Sogar sein ehemaliger Chef war gekommen, um ihn zuzuhören. The Big Event sollte aber ziemlich enttäuschend sein. Alle, die ihn von fern oder nah kennen, wunderten sich darüber, dass er sich in Berlin bewarb. War er nicht gerade nach Brüssel gezogen, um mit seiner Lebenspartnerin und den zwei jungen Kindern endlich mal zusammenzuwohnen? Die Qualität des Vortrags bestätigte die Vermutung, dass er wohl kein Interesse an dieser Stelle hatte. Fachlich sehr kompetent, Oberthür versuchte, unterschiedliche theoretische Ansätze in seiner Präsentation zu nutzen, womit er sich offensichtlich nicht wohl fühlte. Methoden waren ganz klar nicht seine Stärke. Forschungs- und Lehrkonzepte hatte er keine. Seine Antworte verlieren sich in Tautologien. Die öffentliche Katastrophe endete mit der Frage von Ronny Patz, ob er sich ernsthaft um diese Professur bewerbe. Dass er für das weitere Berufungsverfahren nicht weiter in Frage kommt, ist allen anwesenden klar.


Hinweis: Der nun folgende Abschnitt zu Frau Kern ist umstritten. Bitte die Kommentare zu diesem Artikel beachten.

Kristine Kern... Kristine Kern... Schon vor ihrem Auftritt kursierten aus unterschiedlichen Richtungen Gerüchte... Tanja Börzel habe sie ausdrücklich zur Bewerbung aufgefordert... Kern sei von vornherein Börzels Favoritin... Und kein Mensch wolle sonst von der Kern hören, weil sie (nochmal aus den unterschiedlichsten Quellen) menschlich völlig inkompetent sei. Nun. Sie hat sehr viel geredet, wenig davon konnte ich verstehen, verfolgen oder sonst mitnehmen. (Selbst CNN hat anscheinend Schwierigkeiten, sie zu verstehen. Wohlgemerkt, ihr Englisch ist anscheinend nicht sehr gut. Scroll down and look for the speech with a lot of "UNINTELLIGIBLE" tags). Ist dann was drin, an diesen Gerüchten? Während dem Institutstag war ich in einem Workshop zusammen mit Fr. Börzel. Sie war offensichtlich SEHR begeistert von der Tatsache, dass die Studentin neben mir Kristine Kerne als Favoritin hatte, und hat versucht sie stark zu ermutigen, sich mit Daniel (Studivertreter) in Kontakt zu setzen. Sie hat sogar deutlich gesagt (Schweigepflichtverletzung?), dass Daniel wegen "BA-MA Geschichten" gegen Kern war, und das es deshalb wichtig wäre, Druck auf ihn zu üben. Außerdem meinte sie, dass die FFU ("und da verrate ich kein Geheimnis") Kristine Kerne wolle. Was nach meinem Wissensstand absolut NICHT der Fall ist und eine große manipulative Lüge ist. Als ihr klar wurde, dass sie zu deutlich für Kern pushte, fügte sie noch hinzu "nicht dass ich sie vorziehen würde...". Oder vielleicht doch? Und was sind wohl diese "BA Geschichten", die Daniel offensichtlich so stören? Kann es sein, dass sie für die Streichung des Diploms ist?

Miranda Schreurs aus Maryland State University sprach als letzte über EU und US Umweltpolitik im Vergleich. Sie war didaktisch sehr gut, sehr souverän in ihrem Vortrag und ist eine begeisterte und engagierte Dozentin (Der Eindruck kam deutlich so rüber und wurde von anderen Maryland Quellen auch bestätigt). Was mir wichtiger erscheint: Sie will sich in Debatten einarbeiten, bevor sie Entscheidungen trifft. Das sagte sie bezüglich der FFU Entscheidung, sich nicht an dem Governance Sonderforschungsbereich zu beteiligen, und zu der Frage, ob sie sich, sollte sie FFU Leiterin werden, beteiligen würde. Ich könnte mir sehr gut vorstellen, dass sie genau so einfühlsam bei der BA-Diplom Debatte sein würde. Außerdem ist sie der FFU schon bekannt und dort beliebt. Börzel schien aber sehr problematisch zu finden, dass sie englisch Muttersprachlerin ist. Schreurs spricht allerdings gut deutsch, und würde ihre Sprachkenntnisse schnell erweitern. I say, vote for Schreurs.

2006/01/07

Verstärkung gesucht

Du bist
- jung
- kritisch (aber nicht aus Prinzip)
- willig
- hübsch wäre nicht schlecht, muss aber nicht sein
- willst am OSI was ändern
- kannst einen Browser von Bowser unterscheiden
Interesse? Melde dich bei fritz.wepper@gmail.com.
Geld gibts keines, Drogen auch nicht, aber hin und wieder das gute Gefühl, nicht nur im stillen Kämmerlein gejammer zu haben.

2006/01/05

Tweedle Dee & Tweedle Dum am OSI

Tja, mittlerweile hat es sich ja rumgesprochen: Wir bekommen einen neuen Altvater!
Oder doch nicht? Was sich da per Vortragsthema für die Anhörungen ankündigt, klingt ja schon etwas befremdlich (siehe unten).
Auf dem OSI-Kritik-Verteiler lese ich gerade:

"Wenn man das BewerberInnenfeld betrachtet wird schnell klar, um was es dabei geht:
Wird der Altvater-Lehrstuhl von jemand besetzt, die/der die Tradition kritischer Wissenschaft fortsetzt und dafür sorgt, dass am OSI auch weiterhin Platz für linke Theorieansätze ist? Oder wird auch dieser Lehrstuhl (analog zu den letzten Berufungen am Institut) durch eineN VertreterIn des wissenschaftlichen Mainstreams besetzt, für die/den kritische Staatstheorie, (neo-)marxistische und feministische Ansätzen nur am Rande oder gar nicht von interesse sind?"

Nun ja, also kritische Staatstheorie ist sicherlich ein ehrenwürdiges Anliegen, und das soll jetzt wirklich nicht despektierlich klingen, aber: Wer von diesen Figuren da unten ist denn diejenige, die die Tradition kritischer Wissenschaft fortsetzen soll? Der mit den Kommodifizierungsprozessen? Die Dame aus Mittelosteuropa? Oder der mit der Governance? (ach der mit der Governance...)

Grundsätzlich gibt es ja heute nur noch drei Formen von Politikwissenschaft:

1) kritisches Gelabere
2) neoreaktionäre Pseudo-Wissenschaftlichkeit
3) Governance-Forschung

Seht es doch endlich ein, die alten ideologischen Konflikte sind endgültig vorbei. Governance hat uns alle geschluckt, während wir unsere Schattenkämpfe zwischen Sozialismus und Kapitalismus ausgefochten haben. Darum appelliere ich an Euch: Vergeßt die alten Streitereien und tretet gemeinsam an gegen das absolut Böse: Vernichtet die Governance-Forschung! Verhindert die Anhörungen! Greift zu den Waffen! Roosevelt und Stalin haben es auch geschafft!

Euer bob






Dr. Heribert Dieter
Abkehr von multilateraler Regulierung der Weltwirtschaft? Institutionen, Regionen und Rivalität

Prof. Dr. Christoph Scherrer
Wissensbezüge in der Global Governance von Kommodifizierungsprozessen

Prof. Dr. Susanne Lütz
Die Integration von Corporate Governance Regimes ? Zwischen Globalisierung und Europäisierung

Dr. habil. Andreas Busch
Zwischen Konflikt und Kooperation: zur Politischen Ökonomie des transatlantischen Datenverkehrs

Dr. Dorothee Bohle
Globalisierung, Europaeische Integration und die Transformation der Staatlichkeit in Mittelosteuropa

Prof. Dr. Doris Fuchs
Die Macht der Unternehmen in der globalen politischen Ökonomie: Facetten, Möglichkeiten und Grenzen

Dr. Ulrich Brandt
Governance als politiktheoretische Zentralkategorie der Internationalen Politischen Ökonomie?

Dr. habil. Andreas Nölke
Transnationale private Governance und die Erosion des Rheinischen Kapitalismus

Prof. Dr. Stefan Schirm
Markt, Staat und Gesellschaft in der Global Economic Governance