2006/01/15

Neue Profs? Na und?

Am Montag, 09.01.06 fand die Anhörung für die Nachvolge von Prof Jänicke und Riedmüller (und einem dritten Prof?) statt. DieseR neueR Prof wird einerseits die Leitung der Forschungsstelle für Umweltpolitik (FFU) übernehmen, andererseits aber auch für die vergleichende Politiklehre verantwortlich sein. Fünf BewerberINNen hielten einen Vortrag vor einem kleinen Publikum bestehend aus der Berufungskommission, einiger FFU-Mitarbeitern, einer handvoll Studierenden und einer gleichen Anzahl von Mitarbeiterinnen von Prof. Tanja Börzel, die sich als besonders Theorie versierte Studentinnen tarnten.

Die Berufungskommissionsvorsitzende, Tanja Börzel stellte erstmal ihre Berufungskommission vor, die außer ihr noch enthielt:
  1. Fr. Vlasta Wallat , Vertreterin für die nicht-wissenschaftliche Mitarbeiter
  2. PD Helmut Weidner
  3. PD Lutz Metz , Geschäftsführender Direktor der FFU
  4. Dr. Sabine von Oppeln, Wissenschaftliche Mitarbeiterin, Mittelbau
  5. Prof. Dr. Sonja Wälti , Hertie School of Governance
  6. Univ.-Prof. Dr. Philip Kunig, FB Rechtswissenschaft
  7. Daniel Penzlin, Studentischer Vertreter
  8. Prof. Dr. Barbara Riedmüller
  9. Prof. Dr. Wolfgang Clemens, Studiendekan
  10. Fr. Barbara Strobel, Frauenbeauftragte
  11. Prof. Knill (Prof. von außerhalb Berlin, allerdings nicht anwesend)
Es fing mit einem Vortrag von Klaus Jakob an, der es mutig wagte, um 9 Uhr Vormittags ein akteurszentriertes und statistisch gestütztes Modell zur Analyse der Vorreiterrolle von Nationalstaaten im Umweltbereich zu präsentieren. Klaus Jakob wird von vielen FFU Mitarbeitern bevorzugt, da er sich wirklich bemüht, Gelder einzuholen und die Plätze der Mitarbeiter weiterzusichern. Für die FFU mag er gut sein, ich glaube aber nicht, dass er für die Studierende das nötige Interesse an OSI-Politik vorweist. Obwohl er schon lange am OSI arbeitet, antwortete er zu der Frage, was er denn zur Erhaltung des Diploms meine, dass es sich mit Hochschulpolitik bis jetzt nicht beschäftigt habe, dass die Gewährleistung der Mobilität der Studenten ihm aber wichtig sei. Hm. Obwohl BA und Mobilität nun wirklich nicht gleichgesetzt werden können, wird das Wort Mobilität stark vom Diskurs zur Durchsetzung des BA geprägt. Soll heißen "Diplom ist mir ziemlich egal"? Ouch.

Als nächste stellte Andrea Lenschow u.a. einen klaren Überblick der theoretischen Ansätzen vor, die bei der Analyse der Performanz der EU Umweltpolitik angewendet werden. "Unter anderem", weil der Vortrag sich nicht an der 30 Minuten Grenze hielt, was einige im Publikum deutlich nervte. Ich behalte ein neutral bis positives Bild von ihr, könnte aber nichts weiteres zu ihr sagen.

Sebastian Oberthür lockte als Mitautor des famosen Kyoto Protokolls viele neugierige Studierende, welche die Anzahl unserer Masse verdoppelte. Sogar sein ehemaliger Chef war gekommen, um ihn zuzuhören. The Big Event sollte aber ziemlich enttäuschend sein. Alle, die ihn von fern oder nah kennen, wunderten sich darüber, dass er sich in Berlin bewarb. War er nicht gerade nach Brüssel gezogen, um mit seiner Lebenspartnerin und den zwei jungen Kindern endlich mal zusammenzuwohnen? Die Qualität des Vortrags bestätigte die Vermutung, dass er wohl kein Interesse an dieser Stelle hatte. Fachlich sehr kompetent, Oberthür versuchte, unterschiedliche theoretische Ansätze in seiner Präsentation zu nutzen, womit er sich offensichtlich nicht wohl fühlte. Methoden waren ganz klar nicht seine Stärke. Forschungs- und Lehrkonzepte hatte er keine. Seine Antworte verlieren sich in Tautologien. Die öffentliche Katastrophe endete mit der Frage von Ronny Patz, ob er sich ernsthaft um diese Professur bewerbe. Dass er für das weitere Berufungsverfahren nicht weiter in Frage kommt, ist allen anwesenden klar.


Hinweis: Der nun folgende Abschnitt zu Frau Kern ist umstritten. Bitte die Kommentare zu diesem Artikel beachten.

Kristine Kern... Kristine Kern... Schon vor ihrem Auftritt kursierten aus unterschiedlichen Richtungen Gerüchte... Tanja Börzel habe sie ausdrücklich zur Bewerbung aufgefordert... Kern sei von vornherein Börzels Favoritin... Und kein Mensch wolle sonst von der Kern hören, weil sie (nochmal aus den unterschiedlichsten Quellen) menschlich völlig inkompetent sei. Nun. Sie hat sehr viel geredet, wenig davon konnte ich verstehen, verfolgen oder sonst mitnehmen. (Selbst CNN hat anscheinend Schwierigkeiten, sie zu verstehen. Wohlgemerkt, ihr Englisch ist anscheinend nicht sehr gut. Scroll down and look for the speech with a lot of "UNINTELLIGIBLE" tags). Ist dann was drin, an diesen Gerüchten? Während dem Institutstag war ich in einem Workshop zusammen mit Fr. Börzel. Sie war offensichtlich SEHR begeistert von der Tatsache, dass die Studentin neben mir Kristine Kerne als Favoritin hatte, und hat versucht sie stark zu ermutigen, sich mit Daniel (Studivertreter) in Kontakt zu setzen. Sie hat sogar deutlich gesagt (Schweigepflichtverletzung?), dass Daniel wegen "BA-MA Geschichten" gegen Kern war, und das es deshalb wichtig wäre, Druck auf ihn zu üben. Außerdem meinte sie, dass die FFU ("und da verrate ich kein Geheimnis") Kristine Kerne wolle. Was nach meinem Wissensstand absolut NICHT der Fall ist und eine große manipulative Lüge ist. Als ihr klar wurde, dass sie zu deutlich für Kern pushte, fügte sie noch hinzu "nicht dass ich sie vorziehen würde...". Oder vielleicht doch? Und was sind wohl diese "BA Geschichten", die Daniel offensichtlich so stören? Kann es sein, dass sie für die Streichung des Diploms ist?

Miranda Schreurs aus Maryland State University sprach als letzte über EU und US Umweltpolitik im Vergleich. Sie war didaktisch sehr gut, sehr souverän in ihrem Vortrag und ist eine begeisterte und engagierte Dozentin (Der Eindruck kam deutlich so rüber und wurde von anderen Maryland Quellen auch bestätigt). Was mir wichtiger erscheint: Sie will sich in Debatten einarbeiten, bevor sie Entscheidungen trifft. Das sagte sie bezüglich der FFU Entscheidung, sich nicht an dem Governance Sonderforschungsbereich zu beteiligen, und zu der Frage, ob sie sich, sollte sie FFU Leiterin werden, beteiligen würde. Ich könnte mir sehr gut vorstellen, dass sie genau so einfühlsam bei der BA-Diplom Debatte sein würde. Außerdem ist sie der FFU schon bekannt und dort beliebt. Börzel schien aber sehr problematisch zu finden, dass sie englisch Muttersprachlerin ist. Schreurs spricht allerdings gut deutsch, und würde ihre Sprachkenntnisse schnell erweitern. I say, vote for Schreurs.

6 Comments:

At Mittwoch, 22 Februar, 2006, Anonymous Anonym said...

Wie kommst Du eigentlich dazu, anonym (und mit Bezug auf weitere anonyme Quellen) irgendwelche Gerüchte über die menschlichen Kompetenzen von irgendwelchen Leuten zu veröffentlichen?

Und was ist eigentlich die Relevanz von persönlichen Lebensumständen von einzelnen Kandidaten in diesem Zusammenhang?

Nichts gegen die Veröffentlichung von Hintergrundinfos zu einem Berufungsverfahren, aber ich finde Deinen Blog diffamierend, arrogant und wichtigtuerisch.

Grüße J Hertin

 
At Mittwoch, 22 Februar, 2006, Anonymous Anonym said...

Na, da will ich dir doch gleich mal widersprechen (und nein, ich bin nicht der Röstfrosch): Nach den bisherigen Erfahrungen rund um Berufungsverfahren (Wer wurde warum _nicht_ eingeladen, wurde _nicht_ ausgewählt etc.) schadet Transparenz nun wirklich nichts, sondern ist das, was fehlt. Wenn Oberthür sich gerade aus persönlichen Gründen nach Brüssel verpflanzt hat, ist das keineswegs irrelevant: wenn er nur die Lehrdeputatsstunden anwesend ist, ist es wieder ein nicht greifbarer Prof - das brauchen Studierende zumindest nicht.

 
At Freitag, 21 Juli, 2006, Anonymous Anonym said...

Es ist ausgesprochen bedauerlich, dass der Versuch, sich als Enthüllungs-Blogger zu profilieren, auf Kosten und Ansehen der Bewerber in diesem Verfahren geht.
Die KandidatInnen, die sich in diesem Berufungsverfahren vorstellten, können allesamt auf eine hervorragende Reputation und wissenschaftliche Leistung verweisen - sonst wären sie nicht geladen worden. Das gilt im übrigen auch für Dr. Kristine Kern, die zu Recht einen ausgezeichneten Ruf in der internationalen politikwissenschaftlichen Forschung hat - und zudem ein ausgezeichnetes Englisch spricht und schreibt. Das aber findet die bloggende Person leider nicht der Erwähnung wert sondern verliert sich lieber in kruden Verschwörungstheorien. Auch wenn es sich beim Internet um ein flüchtiges Medium handelt, würde manchem mehr Gespür und Verantwortungsgefühl gut zu Gesicht stehen.

T. Loeffelsend

 
At Freitag, 21 Juli, 2006, Anonymous Anonym said...

Ein PS muss doch sein, die persönlichen Diffamierungen sind zu ärgerlich: Als jemand, der einige Jahre gern und gut mit Kristine Kern zusammengearbeitet hat, möchte ich feststellen, dass sie nicht nur ausgesprochen umgänglich und kommunikativ sondern auch jederzeit hilfsbereit und unterstützend ist. Es ist arg, dass mir eine solche Richtigstellung nötig zu sein scheint. - Wer ist eigentlich "roasted frog"?!
TL

 
At Freitag, 21 Juli, 2006, Blogger osiwelt said...

Werter T. Loeffelsend,

erst einmal vielen Dank für Ihre Kritik an unserer Kritik.

Wir sind eine Gruppe Studierender am Otto-Suhr-Institut und haben vor allem eines: keine Lust, mit Scheuklappen durch die Welt zu gehen. Wir nehmen die Welt ganz schrecklichst subjektiv wahr. Und nehmen uns darüber hinaus heraus, sie auch noch so zu beschreiben. Das was Sie hier lesen, ist die Betrachtung der/des jeweiligen Autoren, in diesem Fall roasted_frog.

Wenn Sie es vielleicht auch nicht bemerkt haben: wir widmen uns unter anderem der Begutachtung der möglichen Besetzungen von Lehrstühlen an UNSEREM Institut und den Umständen ebendieser Besetzungen. Ganz subjektiv. Inklusive aller uns bekannter Gerüchte (Im- und Export ist im direkten Vergleich mit Berufungskommissionen sicherlich ein ehrenwertes Geschäft). Sie mögen das für Rufmord halten, wir für notwendig im Sinne der Transparenz.

Wer zu uns will, muss uns auch als Studierende aushalten. So subjektiv, wie wir sind. Wenn wir schon ein Eliteinstitut werden müssen, dann wollen wir wenigstens auch selbst den notwendigen Ansprüchen an die eigene Arroganz genüge tun.

Im übrigen haben wir vollstes Vertrauen in Roasted Frogs Qualifikation zur Beurteilung von Englischkenntnissen.

MfG

 
At Mittwoch, 27 September, 2006, Blogger Manfred Binder said...

Dass roasted_frog ganz schrecklich subjektiv urteilt, ist nicht das Problem, sondern dass es ganz schrecklicher Quatsch ist, was roasted_frog da schreibt. Und dass dieser Quatsch z.B. an zweiter Stelle erscheint, wenn man, wie ich eben, den Namen "Kristine Kern" googelt, macht das ganz besonders ärgerlich!
Ich kenne Kristine Kern seit ca. 15 Jahren und kenne auch viele, die mit ihr zusammengearbeitet haben, und ich halte es deshalb nicht nur für unverschämt und rufschädigend, sondern schlicht für gelogen, dass "unterschiedlichste Quellen" roasted_frog gesagt haben sollen, dass Kristine Kern "menschlich völlig inkompetent" sei. Kristine Kern ist freundlich, offen, kooperativ, zuverlässig, ihre fachlichen Kompetenzen stehen völlig außer Zweifel, und ich wüsste auch niemand, der das anders sieht. Klar, die gibt es bestimmt, die gibt es immer, die gibt es bei einer kompetenten Frau, die nicht kuscht und auf Mäuschen macht, vielleicht sogar noch ein bisschen schneller, habe ich mir sagen lassen, aber: "unterschiedlichste Quellen"? Und dann auch noch für ein derart drastisches und eigentlich doch selbst menschlich völlig inkompetentes Urteil wie "menschlich völlig inkompetent"?!?! Glaube ich im Leben nicht! (Und die Behauptung über ihr angeblich mieses Englisch ist schlicht lachhaft: Wie sollte sie denn dann die Forschungen machen, die sie macht, mit den Kooperationspartnern, die sie insbesondere in der USA hat? Die erwähnten "a lot of" UNINTELLIGIBLEs auf der CNN-Mitschrift sind genau zwei, und jedesmal ist offenbar die CDU gemeint, die Kristine wohl mit einem Ausdruck benannt hat, die dem Schreiber / der Schreiberin / dem Schreibgerät nicht bekannt war.)
Manfred Binder

 

Kommentar veröffentlichen

Links to this post:

Link erstellen

<< Home