2006/11/23

Lasst andere sprechen

Ein lesenswertes Plädoyer gegen universitäre Wortgeröllproduktion jenseits aller Schrottgrenzen:
Die Belegkultur der Wissenschaft, deren langsames Dahinsiechen wir in den vergangenen Jahren erlebt haben, ist zur Simulation von Wissenschaftlichkeit verkommen. Wir sollten daher dringend über Alternativen zur klassischen akademischen Abschlussarbeit nachdenken.

100 Seiten mit 200 Fußnoten = Diplom- oder Magisterarbeit, 200 Seiten mit 400 Fußnoten = Doktorarbeit, 400 Seiten mit 800 Fußnoten = Habilitationsschrift: Irgendwie scheint das nicht mehr recht zu funktionieren. Die Zahl der Autoren übersteigt die der Leser bei weitem, manche Arbeiten haben wohl keinen einzigen Leser (man darf sich nicht dem naiven Glauben hingeben, Copy/Paste-Autoren würden ihre Arbeit selbst noch einmal lesen wollen!).

Eine Lösung wäre: Schreiben wird doch bitte viel weniger Seiten, und formulieren wir dafür jeden Satz selbst (außer, der Gedanke aus der Literatur ist so dramatisch wichtig, dass er zitiert werden muss)!


Weber, Stefan: Textueller Missbrauch, in: Telepolis v. 23.11.2006. Online unter http://www.heise.de/tp/r4/artikel/24/24006/1.html

1 Comments:

At Donnerstag, 23 November, 2006, Anonymous Niklas said...

|| Eine Lösung wäre: Schreiben wird doch bitte viel
|| weniger Seiten, und formulieren wir dafür jeden
|| Satz selbst (außer, der Gedanke aus der Literatur
|| ist so dramatisch wichtig, dass er zitiert werden
|| muss)!

Seit Stefan Weber damals diesen einen Pädagogen dabei erwischt hat, wie er seine innig geliebte und hoch gelobte Doktorarbeit plagiiert hat, ist er vom Kampf gegen Plagiarismus regelrecht besessen. Das mutet schon fast psychotisch an. Unabhängig davon ob er in der Sache recht hat, stellt sich mir schon die Frage, was für ein monströses Ego jemand vor sich herschieben muss, der sich der Art darüber echauffieren kann, dass ein Dritter von ihm abgeschrieben hat. Die Geschichte lässt ihm einfach keine Ruhe, immer wieder krallt er sich auf die ein oder andere Art am selben Thema fest.

Natürlich ist der Ärger berechtigt, wenn andere von den Früchten naschen, die man mit Schweiß und Mühe selbst angebaut und geerntet hat. Aber dieses inbrünstige Bedürfnis den Missetäter "hängen zu sehen" ist irgendwie unheimlich...

 

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